Schmerzen am Iliosakralgelenk: mögliche Ursachen und Übungen

Einseitige Schmerzen im unteren Rücken oder Gesäßbereich können verschiedene Ursachen haben. Beschwerden beim Sitzen oder in bestimmten Positionen lassen sich nicht allein anhand dieser Anzeichen dem Iliosakralgelenk zuordnen.

Frau bleibt auf der Treppe stehen und drückt eine Hand seitlich aufs Becken, wo Schmerzen am Iliosakralgelenk auftreten können

Erklärvideo, 35 Sekunden, mit Untertiteln: Rückenschmerzen verlaufen bei jedem anders. Schematische Animation, keine Diagnose.
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Aufstehen. Sitzen. Heben. Bei Rückenschmerzen wird jeder Handgriff zur Frage.

Man schont sich und fragt sich, ob das reicht.

Dabei sind Rückenschmerzen bei jedem anders. Erst verstehen, dann gezielt bewegen.

Das Rückenschmerzen-Frei-System: verständliche Informationen und Übungen für deinen Alltag. In deinem Tempo.

Bei starken, anhaltenden oder neuen Beschwerden: ärztlichen Rat einholen.

Oft spielen einseitige Belastungen, Fehlhaltungen oder zu langes Sitzen eine Rolle. Wie bei vielen Rückenschmerzen kann auch hier Bewegungsmangel mit hineinspielen.

In diesem Beitrag erfährst du, wodurch Schmerzen am Iliosakralgelenk (ISG) entstehen können und warum die oft genannte „ISG-Blockade“ keine eindeutige Diagnose ist. Du bekommst außerdem Übungen und Hinweise für den Alltag. Beschwerden und passende Maßnahmen unterscheiden sich von Mensch zu Mensch.

Symptome und Diagnosestellung bei Iliosakralgelenk-Beschwerden
Unspezifische Schmerzen

Vom Iliosakralgelenk gehen meist Schmerzen aus, die sich einseitig im unteren Rücken, in der Gesäßregion und im Bereich der Leiste lokalisieren lassen. Manchmal können die Schmerzen auch am hinteren oder seitlichen Oberschenkel auftreten und bis zum Knie ausstrahlen.

Diese Art von Schmerzen wird als unspezifisch bezeichnet, da auch andere Schmerzzustände oder Erkrankungen dieses Beschwerdebild auslösen können. Eine genaue Diagnosestellung, die sich nur anhand der Schmerzen orientiert, ist deshalb nicht möglich.

Denn beispielsweise auch ein Bandscheibenvorfall oder eine Arthrose des Hüftgelenks können Rückenschmerzen mit Ausstrahlungen ins Gesäß, in die Leiste und bis ins Bein auslösen. Als Differenzialdiagnose sollten demnach auch andere Beschwerdebilder berücksichtigt werden, vor allem dann, wenn die Behandlung der Symptome keine deutliche Besserung herbeiführt.

Beschwerden am Iliosakralgelenk treten oft nach längerem Sitzen, nach einer ungünstigen Bewegung, bei einer Fehlbelastung (zum Beispiel nach einer Verletzung) oder nach einem ruckartigen „Tritt ins Leere“ auf. Manchmal kehren sie immer wieder oder bleiben bestehen.

Diagnosestellung ist nicht immer aussagekräftig

Ärztinnen und Ärzte können über Bewegungs- und Provokationstests einschätzen, ob die Beschwerden vom Iliosakralgelenk ausgehen. Eine sichere Diagnose allein aus den Symptomen ist aber nicht möglich. Die Tests liefern eher eine Tendenz und helfen, andere Erkrankungen auszuschließen.

Es kann hilfreich sein, mögliche Auslöser und Zusammenhänge zu betrachten. Eine sichere Zuordnung ist anhand eines einzelnen Textes aber nicht möglich.

Schmerzmittel und Schonung können kurzfristig entlasten. Auf Dauer lösen sie das Problem aber oft nicht, und zu viel Schonung kann die Muskulatur zusätzlich schwächen.

Das heißt nicht, dass du nicht zum Arzt gehen sollst. Eine ärztliche Abklärung ist wichtig, vor allem um andere Erkrankungen auszuschließen.

Viele Rückenschmerzen hängen mit Ungleichgewichten in der Muskulatur und Fehlhaltungen zusammen. Eine MRT-Aufnahme kann zum Beispiel einen Bandscheibenvorfall ausschließen, liefert aber nicht immer eine weitere Erklärung für die Beschwerden.

Deshalb schauen wir uns an, was das Iliosakralgelenk ist, welche Funktion es hat und wie Beschwerden in diesem Bereich entstehen können.

Ursachen der Dysfunktion

Um ein besseres Verständnis für deine Beschwerden zu gewinnen, solltest du zunächst einmal einen Blick auf das Iliosakralgelenk werfen:

Das Iliosakralgelenk ist die Verbindung zwischen dem Darmbein des Beckens (Ilium) und dem Kreuzbein (Sakrum), dem unteren Abschluss der Wirbelsäule. Es gibt es links und rechts. Beschwerden treten meist nur auf einer Seite auf.

Wegen seiner Lage, vieler Bänder und dichten Bindegewebes ist das Gelenk kaum beweglich, deutlich weniger als zum Beispiel das Knie- oder Schultergelenk.

Deshalb dient es weniger der Bewegung, sondern eher als Stoßdämpfer: Es schwächt Erschütterungen beim Gehen, Laufen oder Springen ab, bevor sie die Wirbelsäule erreichen.

Bei einer äußeren Krafteinwirkung kann die Statik aus dem Gleichgewicht geraten, vor allem wenn die stabilisierende Muskulatur zu schwach ausgeprägt ist, um bei einem Fehltritt oder einer anderen Belastung gegenzusteuern.

Schmerz ist ein Signal des Körpers, dass etwas nicht stimmt. Es kann sich lohnen, Bewegungs- und Haltungsmuster zu überdenken.

Bewegung und das Iliosakralgelenk

1. Vermeidung von zu langem Sitzen

Wir sitzen heute deutlich mehr, als es für den Körper gut ist. Das ist einer der Gründe, warum Schmerzen im Bereich des Iliosakralgelenks und der umgebenden Strukturen auftreten können.

Der Körper ist darauf ausgelegt, Gelenke und Muskeln mit immer wieder anderen Bewegungen zu beanspruchen.

Nimm dir einen Moment Zeit und überlege mal, in welchen Alltagssituationen du heute schon gesessen hast. Vielleicht sitzt du gerade, während du diesen Artikel liest?

Beim Sitzen sind die Beine zum Rumpf hin angewinkelt, wodurch die vordere Rumpfmuskulatur ständig verkürzt ist. Gleichzeitig muss die hintere Rumpfmuskulatur arbeiten, damit du zum Beispiel am PC aufrecht bleibst. Sie ist deshalb dauerhaft aktiv.

Der gleichzeitige Zug von vorderer und hinterer Rumpfmuskulatur kann den unteren Rücken und die Bandscheiben stärker belasten. Schmerz ist dann ein Hinweis, etwas an der Position zu ändern.

Der Hüftbeuger, dessen Hauptaufgabe es ist, das Bein zum Bauch zu ziehen, ist im Sitzen dauerhaft angenähert und trägt deshalb viel dazu bei.

Außerdem kann die Bauchmuskulatur, die als Gegenspieler der Rückenmuskulatur beim aufrechten Stehen hilft, im Sitzen an Kraft verlieren.

Dadurch fällt das aufrechte Stehen schwerer und kann ebenfalls schmerzhaft sein, weil Rückenstrecker und Gesäßmuskulatur die Hauptarbeit übernehmen.

2. Aktivität statt Schonung

Dass die Stufenlagerung, bei der die Unterschenkel auf einem Stuhl liegen, oft angenehm ist, liegt daran, dass sich der Körper in einer ähnlichen Position wie im Sitzen befindet, sich aber entspannen kann. Auch Massagen lösen Verspannungen meist nur kurzfristig.

Kehrst du in die gewohnte Sitz- oder Stehhaltung zurück, kommen die Beschwerden oft wieder. Auch wiederholtes „Einrenken“ hilft meist nur kurz: Besteht ein muskuläres Ungleichgewicht, kann es die Knochen immer wieder in die alte Position ziehen.

Der Beitrag beschreibt Dehn- und Kräftigungsübungen. Ob sie geeignet sind, hängt von der Ursache der Beschwerden und der persönlichen Situation ab.

Selbsthilfe bei Beschwerden am Iliosakralgelenk

Oft steht die Behandlung der Symptome im Vordergrund, etwa mit Medikamenten, Schonung oder Massage. Das kann zunächst helfen, hält aber meist nicht lange an.

Deshalb ist es sinnvoll, die möglichen Ursachen zu verstehen. Noch besser ist es, mit einer guten Anleitung selbst aktiv werden zu können.

Schmerz zeigt an, dass der Körper etwas meldet. Wird er dauerhaft mit Schmerzmitteln unterdrückt, lässt er sich schlechter deuten.

Bei betäubtem Schmerz können außerdem weitere Fehlhaltungen entstehen, die an anderer Stelle neue Beschwerden auslösen.

Es gilt das alte Sprichwort „Wer rastet, der rostet“. Das stimmt in jedem Lebensalter: Schon- und Fehlhaltungen lassen sich meist nur durch Bewegung auflösen.

Übungen und Bewegung bei Beschwerden am Iliosakralgelenk

Übungen können die Beweglichkeit unterstützen, sind aber nicht für jede Ursache oder Person geeignet. Beende eine Übung, wenn sie Beschwerden verstärkt, und hole bei Unsicherheit fachlichen Rat ein.

Du möchtest vermutlich möglichst bald wieder beschwerdefrei sein. Diese Ansätze können dabei unterstützen.

Ein wichtiger Ansatzpunkt ist der Hüftbeuger: Tägliches Dehnen wirkt der ständigen Verkürzung im Sitzen entgegen. Wichtig ist, dem Muskel Zeit zum Nachlassen zu geben.

Halte die Dehnung mindestens 30 Sekunden, gern länger. Sie darf ziehen, soll aber nicht wehtun, und du solltest dabei ruhig weiteratmen können.

Dazu kommen regelmäßige Mobilisationsübungen für den unteren Rücken und die Hüfte. Weil die Rückenmuskulatur ohnehin viel arbeitet, stehen bei der Kräftigung vor allem die Bauchmuskeln im Mittelpunkt.

Massage oder Übungen können unterschiedlich erlebt werden und sind nicht in jeder Situation passend. Bei starken oder anhaltenden Beschwerden sollte die Ursache medizinisch abgeklärt werden.

Dafür brauchst du etwas mehr Zeit, die sich langfristig aber lohnen kann. Es geht um deine Gesundheit und deine Lebensqualität.

Im E-Book findest du Informationen und Übungen zum Iliosakralgelenk. Es gibt keine bestimmte Wirkung oder einen bestimmten Verlauf der Beschwerden vor.