Bandscheibenvorfall: Symptome, Behandlung und Vorbeugung

Leidest du unter starken Rückenschmerzen, die bis ins Bein ausstrahlen? Dann hast du wahrscheinlich einen Bandscheibenvorfall erlitten. An welchen Symptomen du einen Bandscheibenvorfall erkennst und welche Behandlung nun nötig ist, erfährst du hier.

Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall?

Ein Bandscheibenvorfall (auch Diskushernie oder Bandscheibenprolaps genannt) bedeutet, dass der innere Gallertkern der Bandscheibe durch den Faserring bricht. Er drückt dann auf umliegende Nerven und löst dabei starke Schmerzen aus.

Erklärvideo, 35 Sekunden, mit Untertiteln: Rückenschmerzen verlaufen bei jedem anders. Schematische Animation, keine Diagnose.
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Aufstehen. Sitzen. Heben. Bei Rückenschmerzen wird jeder Handgriff zur Frage.

Man schont sich und fragt sich, ob das reicht.

Dabei sind Rückenschmerzen bei jedem anders. Erst verstehen, dann gezielt bewegen.

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Bei starken, anhaltenden oder neuen Beschwerden: ärztlichen Rat einholen.

Wie kann das passieren? Das schauen wir uns jetzt genauer an.

Zwischen jedem unserer Wirbel sitzt eine Bandscheibe als Stoßdämpfer. Für diese Aufgabe muss sie elastisch sein, weswegen sie ein weiches Gelkissen in sich trägt, den Gallertkern. Dieser wiederum ist umgeben von einem festen Faserring, der die Bandscheibe an Ort und Stelle hält.

Mit der Zeit verliert die Bandscheibe an Elastizität - und es bilden sich kleine Risse im Faserring. So kann es passieren, dass der Gallertkern sich nach außen wölbt (Protrusion bzw. Bandscheibenvorwölbung) oder sogar den Faserring durchbricht (Prolaps).

Beim Bandscheibenvorfall drückt der innere Kern auf einen Nerv.

In den meisten Fällen (90 %) kommen Bandscheibenvorfälle im unteren Rücken (Lendenwirbelsäule) vor, manchmal auch im Nacken (Halswirbelsäule). Diese Bereiche der Wirbelsäule sind besonders beweglich, wodurch die Bandscheiben mehr “Arbeit” leisten müssen.

Wie erkennst du, ob du einen Bandscheibenvorfall hast? Das erfährst du im nächsten Abschnitt.

Symptome: Wie du erkennst, ob du einen Bandscheibenvorfall hast

Hast du tatsächlich einen Bandscheibenvorfall? Rückenschmerzen können vielseitige Ursachen haben, deswegen lohnt es sich, bei den Symptomen genauer hinzuschauen.

Die häufigsten Symptome bei einem Bandscheibenvorfall sind:

Starke Rückenschmerzen, die bei Belastung plötzlich auftreten oder stärker werden
Verhärtete Muskulatur im betroffenen Bereich der Wirbelsäule

Die Verhärtung entsteht, weil der Körper versucht, den geschädigten Bereich zu stabilisieren. Die Muskeln spannen sich an, um den Wirbelkörper zu schützen. Dabei wird jedoch die Durchblutung und damit die Sauerstoffversorgung der Muskulatur verringert, was wiederum Schmerzen auslösen kann.

Je nachdem, ob der Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule (LWS) oder Halswirbelsäule (HWS) aufgetreten ist, zeigen sich unterschiedliche Symptome.

Symptome: Bandscheibenvorfall in der LWS

Einen Bandscheibenvorfall in der LWS erkennst du zusätzlich an diesen Symptomen:

Stechende Schmerzen im unteren Rücken (Lendenwirbelbereich)
Schmerzen strahlen in Gesäß und Bein aus
Kribbeln, Taubheit oder Kältegefühl in Beinen und Füßen
In fortgeschrittenen Fällen: Lähmung der Beinmuskulatur

Symptome: Bandscheibenvorfall in der HWS

Für einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule (HWS) sind diese Symptome typisch:

Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich
Schmerzen strahlen in die Arme aus
Kribbeln, Taubheit oder Kältegefühl in Armen und Händen

Hexenschuss oder Bandscheibenvorfall? So kannst du es unterscheiden

Hast du vielleicht “nur” einen Hexenschuss? Der kann sich ganz ähnlich wie ein Bandscheibenvorfall äußern: als akuter, starker Schmerz im unteren Rücken.

Ein Hexenschuss passiert meist beim Bücken, Heben oder bei einer ruckartigen Bewegung. Der Schmerz schießt plötzlich in den unteren Rücken ein (wie von einer Hexe geschossen) und macht jede weitere Bewegung zur Qual.

Der Unterschied: Bei einem Bandscheibenvorfall kann es zusätzlich zu neurologischen Ausfällen kommen, wenn Nerven abgedrückt werden. Dann kribbelt es im Bein oder Arm, manchmal ist auch die Muskulatur gelähmt. So fällt es z. B. schwer, das Bein zu belasten.

Typisch für einen Bandscheibenvorfall: stechender Schmerz im unteren Rücken.

Wie kann sich ein Bandscheibenvorfall entwickeln?

Beschwerden im Zusammenhang mit einem Bandscheibenvorfall können sich unterschiedlich entwickeln. Dauer und Verlauf sind individuell und lassen sich nicht pauschal vorhersagen. Ärztliche Abklärung hilft, die persönliche Situation einzuordnen.

Welche Belastung und Bewegung sinnvoll sind, hängt von den Beschwerden ab. Lass dir bei einem Bandscheibenvorfall ärztlich erklären, was für dich geeignet ist und ob weitere Behandlung nötig ist.

Die richtige Behandlung bei einem Bandscheibenvorfall

Nicht bei jedem Bandscheibenvorfall ist eine Operation erforderlich. Welche Behandlung geeignet ist, hängt von Befund und Beschwerden ab; das sollte medizinisch entschieden werden.

So läuft die Behandlung eines Bandscheibenvorfalls (Diskushernie) jeweils ab:

Konservative Behandlung

Am wichtigsten ist, zunächst die Schmerzen zu lindern. Deswegen verschreibt der Arzt schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente. Zudem kannst du mit Wärme nachhelfen, um die Muskulatur im Rücken zu entspannen und die Schmerzen zu lindern. Auch die Stufenbettlagerung hilft, um den Rücken zu entlasten.

Dabei legst du deine Beine im Liegen auf einen Stuhl oder Bandscheibenwürfel hoch, sodass Unter- und Oberschenkel einen rechten Winkel bilden. Der nächste Schritt ist, die Rückenmuskulatur aus dem Not- wieder in den Normalzustand zu bringen. Meist beginnen Patienten gleich nach einem Bandscheibenvorfall mit einer Physiotherapie.

Welche ergänzenden Maßnahmen sinnvoll sind und wie lange die Erholung dauert, ist individuell verschieden. Besprich anhaltende Beschwerden und mögliche weitere Schritte mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.

Operation bei Bandscheibenvorfall

Eine Operation kann nötig sein, wenn neurologische Ausfallerscheinungen (Taubheit, Lähmungen) oder sehr starke Schmerzen auftreten. Auch wenn die konservative Therapie nicht anschlägt, kommt eine OP infrage.

Bei der Operation wird der hervortretende Teil des Gallertkerns entfernt und der eingeklemmte Nerv entlastet. Nach der OP muss der Patient noch 3 bis 5 Tage im Krankenhaus bleiben. Anschließend folgt die Reha, um die Rückenmuskulatur wieder aufzubauen.

Mache dir bewusst: Eine Operation an der Wirbelsäule ist kein harmloser Eingriff. Sie sollte nur durchgeführt werden, wenn die Symptome es wirklich nötig machen.

Hilfreiche Übungen bei Bandscheibenvorfall - unter 2 Minuten

Bandscheiben profitieren von Bewegung. Diese Übungen können helfen, den Rücken zu mobilisieren und zu kräftigen. Pro Übungsreihe brauchst du nur etwa 1,5 Minuten, und du kannst sie im Stehen machen.

So kannst du sie jederzeit zwischendurch in deinen Alltag einbauen. Probiere es aus! Wichtig für alle Übungen: Gehe immer nur so weit, wie es für dich angenehm ist. Beim Üben solltest du keine Schmerzen spüren.

1. Drehung

Drehbewegungen können die Bandscheiben mobilisieren und ihre Versorgung mit Flüssigkeit unterstützen.

Anleitung: Stell dich hin, die Füße schulterbreit auseinander. Achte darauf, sicher und aufrecht zu stehen. Dreh dich langsam zur rechten Seite, leg die Hände auf die Hüfte und schau nach hinten. Wechsle dann ab: Dreh dich nach links und nimm die Arme mit, dann wieder nach rechts, wieder links und so weiter. Arbeite nicht mit Schwung, sondern führe die Bewegung bewusst aus.

Wiederhole diese Übung für 30 Sekunden.

Übung 1: Die Drehung.

2. Rückbeuge

Die Rückbeuge kann den einseitigen Druck ausgleichen, den die Bandscheiben beim langen Sitzen erhalten.

Anleitung: Du kannst diese Übung im Stehen oder Knien machen. Lege deine Hände auf deinen unteren Rücken. Die Fingerspitzen können nach oben oder unten zeigen - wie es dir angenehmer ist. Dann atme ein und verlängere deinen Oberkörper nach oben. Atme aus und lehne dich nach hinten. Beim Einatmen federst du wieder leicht nach vorn und beim Ausatmen nach hinten. Bleibe dabei sanft und langsam.

Wiederhole diese Bewegung für 30 Sekunden.

Übung 2: Die Rückbeuge.

3. Hüftbeuger dehnen

Wenn der Hüftbeuger verkürzt ist, zieht er von innen an der Lendenwirbelsäule. In dieser Übung verlängern wir ihn, um diesen Zug zu nehmen.

Anleitung: Starte im Stehen. Mach mit dem rechten Bein einen großen Schritt nach hinten, sodass du im Ausfallschritt stehst. Leg die Hände auf das vordere Bein und stabilisiere dich. Drück die Hüfte leicht nach vorn, bis du eine angenehme Dehnung im rechten Hüftbeuger spürst. Wenn du dich sicher fühlst, strecke die Arme nach oben, um die Dehnung zu verstärken.

Halte für 15 Sekunden und wechsle dann die Seite.

Übung 3: Der Hüftbeuger.

Tipp: Hier findest du noch mehr Übungen für den Rücken.

Was hilft bei einem Bandscheibenvorfall?

Bei einem Bandscheibenvorfall helfen häufig eine ärztlich abgestimmte Schmerzlinderung, Bewegung im schmerzfreien Rahmen und, wenn es sich angenehm anfühlt, Wärme. Strikte Bettruhe wird in der Regel nicht empfohlen. Welche Maßnahmen für dich passen, klärst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Wichtig: Bei Taubheit im Genitalbereich oder an der Innenseite der Oberschenkel, Problemen beim Wasserlassen oder Stuhlgang, Lähmungserscheinungen oder zunehmender Schwäche im Bein solltest du sofort ärztliche Hilfe suchen.

Wie sitzt man richtig bei einem Bandscheibenvorfall in der LWS?

Richtig sitzen heißt bei einem Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule: möglichst aufrecht, mit den Füßen flach auf dem Boden, Knien etwa auf Hüfthöhe und dem Rücken an der Lehne. Wichtiger als die perfekte Haltung ist der Wechsel: Steh etwa alle 20 bis 30 Minuten kurz auf oder ändere deine Position.

Ob langes Sitzen in der akuten Phase angenehm ist, ist individuell, manche Betroffene empfinden Stehen oder Gehen als besser. Besprich das mit deinem Arzt. Weitere Tipps für den Alltag findest du auch im Beitrag Rückenschmerzen morgens nach dem Aufstehen und beim Sitzen.

Krämpfe im Oberschenkel nach einem Bandscheibenvorfall: Woher kommen sie?

Krämpfe, Ziehen oder Kribbeln im Oberschenkel können auftreten, wenn der vorgefallene Gallertkern auf eine Nervenwurzel im unteren Rücken drückt. Die Beschwerden strahlen dann ins Bein aus. Auch die Muskulatur kann mit einer Schutzspannung reagieren.

Die genaue Ursache lässt sich aus der Ferne nicht klären. Lass anhaltende Krämpfe oder Missempfindungen im Bein ärztlich abklären, bei Lähmungen oder Taubheit am besten sofort.

Wärme oder Kälte bei einem Bandscheibenvorfall in der LWS?

Wärme kann verspannte Muskeln lockern und wird von vielen als angenehm empfunden. Manche Betroffene empfinden in der akuten, gereizten Phase Kälte als besser. Was für dich passt, ist individuell. Mehr dazu findest du im Beitrag Wärme oder Kälte bei Rückenschmerzen.

Die 5 häufigsten Ursachen für einen Bandscheibenvorfall

Wie entsteht ein Bandscheibenvorfall? Dies sind die größten Risikofaktoren und Ursachen:

1. Alter

Traurig aber wahr – je älter du wirst, umso wahrscheinlicher wird ein Bandscheibenvorfall. Denn mit dem Alter sinkt der Wassergehalt in deinem Körper und somit ebenfalls in deiner Bandscheibe. Ihre Elastizität lässt nach. Auf diese Weise entstehen feine Risse im Faserring, wodurch der Gallertkern leichter austreten kann.

2. Übergewicht

Ein weiterer Grund für einen Bandscheibenvorfall können ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen sein. Dann nutzt sich die Bandscheibe aufgrund der höheren Belastung schneller ab. Zudem verändert sich durch das Übergewicht die Körperhaltung, was zu Fehlbelastungen führt.

3. Langes Sitzen und Fehlhaltungen

Menschen, die beruflich (und privat) zu viel sitzen, leiden vermehrt unter einem Bandscheibenvorfall. Dazu gehören Menschen, die einen Schreibtischjob haben, aber zum Beispiel auch LKW-Fahrer. Über den langen Arbeitstag verfällt man schnell in eine ungesunde Sitzhaltung. Somit wird die Wirbelsäule falsch belastet und zu viel Druck auf die Bandscheiben ausgeübt.

4. Falsches Heben

Sitzt du lange Zeit am Schreibtisch in einer schlechten Haltung, wandert dein Bandscheibenkern immer weiter nach hinten. Machst du anschließend eine falsche Bewegung, gibt dies den letzten Impuls: Der Faserring wird durchbrochen.

Häufig kommt dies vor, wenn du mal eben einen Wasserkasten ins Auto heben möchtest. Aber selbst das Aufheben eines Taschentuches kann der letzte Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt. Denn in einigen Fällen reicht bereits das Hochheben von leichten Gegenständen aus, um einen Bandscheibenvorfall auszulösen.

5. Zu wenig Bewegung

Auch eine zu schwache Rückenmuskulatur fördert einen Bandscheibenvorfall. Sie ist maßgeblich für die Stabilität der Wirbelsäule und eine aufrechte Haltung verantwortlich.

Wichtig ist: Trainiere nicht nur den langen Rückenstrecker, sondern vor allem auch die vielen kleine Muskeln zwischen den Wirbelkörpern. Hierzu eignen sich Yoga und spezielle Rückenübungen besonders gut.

Bandscheibenvorfall vorbeugen: 6 Tipps

Am besten ist es natürlich, wenn du gar nicht erst einen Bandscheibenvorfall bekommst. Die gute Nachricht: Du kannst viel selbst für deine Rückengesundheit tun und so einem Bandscheibenvorfall vorbeugen.

Die 6 wichtigsten Tipps zur Prävention eines Bandscheibenvorfalls sind:

Bewege dich regelmäßig.
Achte auf eine nährstoffreiche Ernährung mit viel Kalzium.
Vermeide Übergewicht.
Richte dir einen ergonomischen Arbeitsplatz ein und stehe alle 30 Min. kurz auf, um dich zu bewegen.
Wähle eine rückenfreundliche Schlafposition, Matratze und Kissen.
Achte auf richtiges Heben: aus den Beinen, nicht aus dem Rücken.

Informationen zu Rückenschmerzen und Bandscheibenvorfall

Im E-Book findest du allgemeine Informationen und Übungen für den Alltag. Es verspricht weder eine Heilung noch einen bestimmten Verlauf. Besprich medizinische Fragen mit einer Fachperson.